Influencer – wie gefährlich kann das werden?

Wie werden Veggie-Produkte eigentlich hergestellt? #Joyceunterwegs | Joyce | FMA

Influencer werden ist nicht schwer?

… dagegen sehr.

Derzeitiger Top Trend in Werbung und Marketing von KMU sind Influencer.

Kurz dazu was das ist:

Wenn jemand in Facebook, YouTube oder auf eigenen Webseiten, ein Thema so stark und oft als Text, Blog oder Video behandelt, dass er damit jede Menge Menschen thematisch als Fans oder Follower an sich bindet, kann er damit Geld verdienen.

Wie? Sein Wort hat ja Gewicht bei seinen Fans. Also sucht er sich oder lässt über Agenturen, Werbetreibende suchen die zu seiner FanBase passen. Glaubt er zumindest. Oder Werbetreibende Unternehmen suchen oder lassen über Agenturen Influencer suchen, die zu ihren Produkten oder der Marke passen. Glauben die zumindest.

Denn die Beziehung Influencer – Marke kann auch ganz böse Wendungen nehmen. Dann nämlich wenn der Abgleich der Zielgruppen nicht erfolgt.

So geben Werbetreibende als Zielgruppe in der Regel betriebswirtschaftliche Kenndaten oder aus dem Vertrieb  gewonnene Vorlieben als Zielgruppen an.
Influencer aber haben in erster Linie eine inhaltliche Zielgruppe.

Wie das auseinander laufen kann mal an einem Beispiel:

Das Video hier oben auf der Seite ist von der YouTuberin und Influencerin Joyce. Die ist bekannt dafür gerade raus zu sein. Sie wirkt provokant, direkt und „gefühlt“ glaubwürdig. In dem Video stellt sie ihrer Community den Fleischfabrikant Rügenwalder aus Bad Zwischenahn vor. Natürlich Zielgruppengerecht mit dessen Veggie-Rubrik.

Aber genau das Unternehmen wurde wie viele andere Anbieter zu 5,5 Millionen EUR Strafe wegen Preisabsprache verurteilt.

Keine glückliche Situation für einen Influencer dessen Zielgruppe auf moderne, innovative aber eben auch transparente und glaubwürdige Produkte und Marken abfahren.

Wie können Influencer sich davor schützen?

Gegen kriminelle Anbieter ist natürlich niemand gefeit. Aber die Warnsignale kann man sehr wohl wahr nehmen. So man denn möchte und überhaupt mal nachschaut.

Genau bei dem jetzt verurteilten Unternehmen kann man auf den ersten Blick ins Facebook Profil erkennen was los ist. Ein Anbieter der einzig und alleine auf Verpackung setzt. Schein statt sein. Alles sieht nach Werbung aus alles riecht förmlich nach Werbung. Da wird jeder der sich bereit erklärt solche Läden zu promoten prostituiert. Das steht vorher fest. Transparenz? Pustekuchen. Selbst die als Talkrunde getarnten Werbeveranstaltungen, auf denen  die Zielgruppe exakt nur die Brocken vorgeworfen werden die sie schlucken soll. Das ist sicher authentsich aufgenommen. Soll heissen alle anwesenden sehen das was sie sagen vermutlich auch so. Der Trick steckt darin, dass nur wohlgesonnene junge dynamische Influencer und Fürsprecher eingeladen wurden. So funktioniert Manipulation, nicht digitale Transparenz!

Und die Influencer sind unschuldige Schäfchen?

Mitnichten! Nur muss es zusammenpassen. Sich stelle mal die Behauptung auf, dass eine Influencer/in die in ihrem Kanal Tipps für Schminke & Kosmetik (nicht Bio!) gibt, so ein Urteil nicht die Bohne jucken würde. Denn die Produkte die sie empfiehlt oder bewirbt sind ja mit den Tierversuchen in ähnlich kriminellen Gewässern unterwegs. Und wenn die Community das eine nicht juckt, ist denen das andere Wurst 😉 Das Wortspiel war jetzt keine Absicht. Kam so zufällig in die Tasten!

Werbetreibende und Influencer müssen einfach perfekt passen

Restlos sicher ist man auch dann vor nix. Aber um bei dem Beispiel oben zu bleiben. Der Comedian Khalid Bounouar spielt immerhin ironisch mit dem Wurstanbieter Herta. Ob das genügt um vor der eigenen Community trotz der klaren Käuflichkeit sein Gesicht zu wahren, lass ich mal dahingestellt.

Mir war eigentlich von Beginn an klar, dass dies nicht lange funktionieren kann. Wer mich kennt, weiss das ich Glaubwürdigkeit für die wichtigste Währung im Internet halte. Und wenn Influencer vielleicht auch zu Beginn nur wenige Produkte supporten die sie tatsächlich selbst häufig nutzen oder liken, wenn Das Geld ruft ändert sich das meistens!

Warum? Weil ja immer mehr Influencer werden wollen. Und mit wenigen Fans bekommet man eben keine guten Produkte die man vorstellen kann. YouTube hat gerade die Mindestgrenze auf 1000 Fans angehoben um überhaupt berücksichtigt zu werden. Und so müssen Influencer mit „nur“ sechsstelliger Fanzahl viele Produkte empfehlen oder besser gesagt bewerben. Denn wenn ich über ein Thema sehr intensiv und wertvoll berichte, lassen sich in aller Regel da nicht mehrere passende Produkte rein zufällig einbauen.

Ohne Glaubwürdigkeit verliert der Influencer…

…nicht nur seine Fans, sondern auch seine Kunden die Werbetreibenden.

Und Unternehmen?

Das Beispiel des Influencer und Youtubers Logan Paul mit immerhin 15 Millionen Abonnenten. Der hat sich mit seinem Video aus dem japanischen „Suizidwald” einen Shitstorm eingehandelt. Er hat eine Leiche gefilmt. Welches Unternehmen möchte das? Sicher, so lange ein Unternehmen inhaltlich mit dem betreffenden Influencer übereinstimmt, ist ja alles in Butter.

Doch angenommen der bewirbt nicht nur das eigene Produkt sondern auch andere. Und dann kommt so ein WorstCase wie bei der Wurst. Dann wird die eigene Marke von der beschädigten Authentizität des Influencers mit runter gezogen. In dem konkreten Fall vielleicht noch erträglich weil Joyce kein Feinbein ist. Aber man stelle sich mal einen sensiblen Veggi oder Bio Blogger vor, der das für Rügenwalder gemacht hätte und dann das?  Dann würde nicht nur der betreffende Influencer Schaden erleiden. Schlagartig würde dessen Community alle Mit-Werber in den selben Topf werfen. Also auch für Unternehmen gilt:

Drum prüfe wer sich online bindet…

Oder man versucht den glaubwürdigeren Weg mittels Branded Entertainment mit Video oder Blog.

Veröffentlicht von geruweb

Ein Kunde sagte mal zu mir:„Herr Rusche Sie sind immer gerade heraus. Das ist manchmal nicht sehr angenehm, aber mir immer sehr sympathisch!“ Authentizität und Glaubwürdigkeit sind mir halt sehr wichtig. Weil das in wachsendem Maße die stärksten Erfolgsfaktoren sind.

2 Kommentare zu “Influencer – wie gefährlich kann das werden?”

  1. Ein toller Artikel und ein Thema, worüber sehr selten berichtet wird. Mich haben auch schon Agenturen für deren Auftraggeber angeschrieben und bisher habe ich alles abgelehnt, weil sie eben auf dem zweiten Blick nicht zu unserer Philosophie passen.

    Liebe Grüße
    Birgit

    1. Danke sehr. Und ja das ist sehr umsichtig, sich erst mal anzusehen wie gut passt das. Sollten mehr machen! Mit deinen Themen gibt es aber auch jede Menge seriöse Anbieter. Weiss nur nicht, ob da schon viele bereit sind für Online-Marketing?

      Liebe Grüße,
      Gerald

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